Ziele und Ablauf

Da stimmt doch was nicht!
Kinder werden früh mit kolonialem Wissen befrachtet. Sie sehen Plakate hungriger Schwarzer Kinder, hören „Afrika ist arm“, sammeln Spenden. Sie lernen Kolumbus habe Amerika ‚entdeckt‘, und kostümieren sich als ‚Indianer‘ e.t.c. Kinder werden per se mit Fragen des Kolonialismus konfrontiert. Nur: Ihnen werden viele Irrtümer und Falschdarstellungen als Wahrheit verkauft. Dieses Paket, diese Bürde sollte ihnen eigentlich erst gar nicht mitgegeben werden. Umso wichtiger ist es, diese früh wieder loszuwerden, sie ihnen abzunehmen. In der Übung werden Zusammenhänge mit Kolonialismus deutlich.

Anstatt einen ganzen Kontinent auf „Armut“ zu reduzieren und diese aus dem historischen und politischen Kontext zu lösen ist unser Ziel:  „Entourage people to see poverty as a denial of basic human rights rather than as a focus for our charity“.

  • Differenzieren des Afrikabildes und Bewusstmachung von Klischees.
  • Altersgemäßer Einstieg in die Dekonstruktion kolonialer Wissensbestände.
  • Analyse von Medien und ihres Einflusses.
  • Menschen ermutigen, Armut als Verweigerung von Grundrechten zu verstehen und nicht arme Menschen zum Objekt von Hilfe oder Reglementierung zu machen.
  • Fokus verschieben: Von Bildern der Hilfsbedüftigkeit auf vielseitige Bilder sowie auf die Rolle Europas/ Ausbeutungspozesse
  • Verständnis entwickeln für die Funktionen von Vorurteilen – auch zur Erhaltung des Status Quo zwischen Globalem Süden und Globalem Norden

möglicher Ablauf:

  1. Sammeln von Assoziationen zum Begriff „Afrika“
  2. Verteilen des Arbeitsblatt „Was gibt es in Afrika“. Kinder sollen in Einzelarbeit die Bilder am Rand markieren, von denen sie denken, dass es sie in Afrika gibt.
  3. Über den Beamer mehrere Bilder (Skylines) von Großstädten zeigen, jeweils raten lassen welche Stadt dies sein könnte/ in welchem Land oder Kontinent diese Stadt liegen könnte. Notieren.  (Dass alle Bilder aus afrikanischen Ländern stammen überrascht.)
  4. Ergebnisse vergleichen. Entstehenden Diskussionen Raum geben. Nachfragen, wie Kinder auf ihre Idee kommen, woran sie es fest machen, woher sie es wissen. Unterschiedliches Wissen sichtbar.
  5. Bilderbücher der Organisation ELRU aus Südafrika ermöglichen Kindern ein vielfältiges Wissen über Südafrika.
  6. Auf Grundlage dieser geteilten Erfahrung werden koloniale Wissensbestände reflektiert. Woher kommen diese einseitigen Bilder von Afrika als arm, heiß und Heimat wilder Tiere? Von wem habt ihr das gehört, wo habt ihr es gesehen? Und wie kommt es, dass viele nicht wissen, dass der afrikanischen Kontinent sehr reich ist: viele Pflanzen aber auch Gold, Diamanten, Großstädte, Supermärkte und reiche Menschen gibt?
  7. Hier kann die Geschichte „Papa, Charlie hat gesagt…!“ gelesen oder gespielt werden: Welchem Bild von Afrika wird hier widersprochen? Wie ist das, wenn man ein Bild von etwas hat und es erweist sich als falsch? Kennt Ihr das auch von anderen Situationen oder Menschen in den Medien und anderswo?
  8. An diesem Punkt gibt es zahlreiche Möglichkeiten von Eigenaktivitäten von Kindern: Sie können Afrikabilder in Schulmaterialien, Kinderbüchern und Fernsehsendungen untersuchen – zu oft wird „Afrika“ als rückständig dargestellt und überwiegend Tier- und Hilfe-Geschichten erzählt. Verlage anzuschreiben wäre übrigens ein wichtiger Beitrag, damit sich die Bildungslandschaft verbessert.
  9. Hegel
  10. Vertiefend sollte mit dem Widerspruch: Afrika ist reich, Afrika ist arm gearbeitet werden. Denn aktuelle Konflikte (z.B. flüchtende Menschen) können mit diesem einseitigen Afrikabild nicht verstanden werden. Wichtiger als mehr helfen wäre es, weniger zu stehlen. Fluchtursachen werden zu oft einseitig in Problemen der Herkunftsländer gesucht. „Wir sind hier, weil ihr da wart“ („We are here because you were there“); dieser Satz von Sivanandian, einem schwarzen Aktivisten in Großbritannien beschreibt mit klaren Worte die Weltwirtschaftsordnung unserer Tage und verweist auf Ursachen von (unfreiwilliger) Migration und Flucht.